Zwei linke Hände? Jeder kann etwas erschaffen!

Hi, ich bin Franzi. 
Ich selber habe leider zwei linke Hände. Wenn es wenigstens die linken Hände von Andy und Tina wären, dann würde ich vielleicht auch mal etwas wirklich tolles Selbstgemachtes zustande bringen. Jedoch sind es leider meine linken Hände und die können mit Werkzeugen irgendwie nicht so recht umgehen.
Na klar: ich habe schon mal mit einem Messer an einem Stock herum geschnitzt und ich habe auch schon mal einen Schal und eine Mütze gehäkelt. Am längsten habe ich es an der Nähmaschine ausgehalten und dort sogar ein paar ganz nette Sachen zusammen getackert (wie ich es gern nenne). 
Aber irgendwie wollte sich bei mir für diese Arten des Handwerks keine echte Leidenschaft entfachen, sodass ich relativ selten in diesen Formen „handwerke“. 

Nur zu besonderen Anlässen, da schnappe ich mir dann doch mal die Nähmaschine: 
zur Weihnachtszeit und zu Geburtstagen.

Wir leben ja leider heute in einer Zeit, wo es Gang und Gebe geworden ist, einander Gutscheine und Weinflaschen zu schenken. 
Vielleicht, weil man nicht weiß, womit man dem anderen eine wahre Freude machen kann. 
Vielleicht, weil alle einfach schon alles haben – oder zumindest schon sehr viel davon.
Oder vielleicht, weil man keine Zeit findet, sich wirklich etwas einfallen zu lassen.
 
Und dabei ist doch genau letzteres das allerschönste und wertvollste Geschenk, das man einem Menschen machen kann, der einem am Herzen liegt: Zeit. 
Etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen, kostet sehr viel Zeit. Und gerade deswegen, finde ich es am schönsten, etwas selbstgemachtes zu verschenken.
Ich muss die Materialien prüfen und einen Werkstoff wählen oder gar beschaffen. Gleiches gilt natürlich für’s Werkzeug. Ich muss mir dann überlegen, wie ich vorgehen will und auf was ich achten muss. Manches Mal muss ich ziemlich herumprobieren, um ein Ergebnis zu erzielen, dass der Vorstellung in meinem Kopf tatsächlich nahe kommt. 
Und schlussendlich stecken dann in einem Stück Handarbeit unzählig viele Stunden meiner Lebenszeit.
Und völlig egal, wie perfekt oder unperfekt das Stück am Ende wird 
– es wird ein „Stück von mir“.
 
Jeder kann etwas erschaffen. Da bin ich mir sicher. Ob es nun ein Meisterwerk oder ein Liebhaberstück wird, ist eine andere Sache. 
Aber eines ist sicher: Kreativität steckt in jedem von uns.
Es ist aus meiner Sicht genau das, was uns Menschen als Wesen ausmacht: dass wir aus unterschiedlichen Materialien und mit vielfältigen Werkzeugen Dinge erschaffen, die Ausdruck unserer Persönlichkeit sind. Wir müssen nur unseren Blickwinkel etwas verändern und sollten nicht nur die klassischen Kunstformen als Ausdrucksmittel verstehen.
Nicht nur in einem Bild oder in einem Lied stecken Persönlichkeit und Herzblut.
Sondern eben auch in einem Häkelschal oder in einem Holzlöffel. 
Und sogar im eigenen Gemüsebeet oder im selbstgebackenen Kuchen…
 
Manch einer hat vielleicht „sein“ Material noch nicht entdeckt. Manch anderer hat vielleicht auch nicht genügend Geduld, um mit den Werkzeugen zu üben. Doch man sollte sich nicht entmutigen lassen. Es lohnt sich wirklich, ein bisschen Zeit dafür zu opfern. Wenn man sein erstes „Werk“ fertig hat, wird man ein wunderbares Gefühl von Stolz und Zufriedenheit erleben. Man wird vielleicht sogar selber ein bisschen darüber staunen, wozu man mit seinen zwei Händen fähig ist.
 
Um nun abschließend noch einmal auf meine eigenen Hände zu sprechen zu kommen: Tatsächlich gibt es da auch einen Werkstoff, der mich seit der ersten Berührung in seinen Bann gezogen hat. Wie bei jedem anderen Handwerk auch, brauchte es hier ebenfalls einige Zeit, um den Umgang damit zu erlernen. Ich habe viel geübt, bis ich die Werkzeuge richtig anwenden konnte. Ich habe noch ein paar alte Werkstücke aufgehoben, über die ich heute lächeln oder gar den Kopf schütteln muss. 
Genau wie beim Schnitzen ergibt sich die letztliche Form meistens erst während des Arbeitens.
Und genau wie beim Häkeln muss man manchmal wieder ein Stück aufribbeln und ganz anders weiter weitermachen. 
Genau wie beim Nähen muss man sauber arbeiten, wenn das Ergebnis einem Freude machen soll – und ganz wichtig:
Man sollte nie den „roten Faden“ aus den Augen verlieren!
 
 
😉
 
In diesem Sinne wünsche ich allen gleichgesinnten leidenschaftlichen „Handarbeitern“ weiterhin: Frohes Schaffen!
 
Eure Franzi

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