Löffel schnitzen

Herzlöffel heartspoonWarum ich Löffel schnitze? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber es macht mir einfach einen Riesenspaß. Angefangen hat das ganze, so glaube ich jedenfalls, in irgendeinem Urlaub in Schweden oder Finnland. Es musste am Feuer dringend ein Löffel her, damit es was zu beißen zwischen die Zähne gab. Ein Scheit Feuerholz musste also dran glauben und wurde kurzerhand in einen Löffel umfunktioniert. Nicht schön und perfekt, aber er erfüllte seinen Zweck. Dann hat es mich nicht mehr losgelassen, in Momenten der Langeweile musste dann das eine oder andere unachtsam herumlungernde Stück Holz in den sauren Apfel beißen und wurde mit einer neuen Form versehen. Es waren auch schon das ein oder andere Buttermesser dabei, aber Gabeln liegen mir nicht so besonders, wobei die eine oder andere das Licht der Welt erblickt hat. Lange Rede, kurzer Sinn, irgendwie kommen am Ende meist doch Löffel dabei heraus.

Ein Spleen vielleicht oder Beginn einer Psychose von zwanghaftem Löffelwahn?

IMG_5463 Draußen in der Natur reicht für das Schnitzen eines Löffels meist ein normales Allround- oder Taschenmesser, besser jedoch geht es mit einem vernünftigen Schnitzmesser (welches sich in meinem Fall oft an meinen Gürtel befindet), möchte man wirklich gute Stücke machen, empfiehlt es sich ein paar Taler in ein vernünftiges Löffelmesser sowie eine Ziehklinge zu investieren. Perfektionisten bauen oder kaufen sich ein Schnitzpferd und Schraubstock. Dann steht dem „Löffelglück“ nichts mehr im Wege, denn Löffel können glücklich machen!

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Zu Beginn sollte man sich ein schönes Stück Holz ergattern, grüne (frisch geschlagene Hölzer, die noch nicht getrocknet sind) eignen sich für den Anfang am besten. Anfänger sind hier mit Birke sehr gut beraten, es lässt sich schön einfach verarbeiten. Ich verwende so ziemlich jedes Holz, sofern es eine schöne und interessante Maserung aufweist. Bitte beachten, es gibt viele Holzarten die in Teilen oder ganz, giftig sind, beim späteren schleifen kann (muss es aber nicht) es schon einmal zu der einen oder anderen unerwünschten Nebenwirkung kommen. Also macht euch bitte bei dem verwendeten Holz vorher möglichst darüber schlau was Ihr verwendet, so vermeidet Ihr eventuelle Risiken. Zu den giftigen Holzarten zählen unter anderem die Eibe, Goldregen und der Sadebaum, welcher aber eine tolle Maserung, ähnlich dem Wacholder, hat. Im Zweifel sollte man bei Schleif- und Schmirgelarbeiten lieber einen einfachen Mundschutz tragen.

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Nachdem ihr ein geeignetes Stück vor euch liegen habt, versucht es zu lesen, sprich, schaut euch nach eventuellen Rissen um, auch Äste oder Astlöcher können einem später den Erfolg sonst ein wenig vermiesen. Ich spalte mein Holz überwiegend mit einer Axt und erledige dann mit dieser auch die grobe Vorarbeit. Ihr müsst jetzt überlegen wie dick bzw. dünn, wie lang und welche Form euer Löffel  später haben soll. Manchmal findet man interessant gebogene Äste oder Hölzer, die man für geschwungene Löffel hervorragend verwenden kann. Viele Löffelbauer zeichnen dann grob die Form mit einem Bleistift auf das Holz, ich erledige das meist im Kopf oder lasse mich auch gerne mal vom Wuchs des Holzes inspirieren. Nachdem die Form festgelegt ist und mit der Axt im groben aus dem Holz herausgearbeitet ist, geht es auf’s Schnitzpferd oder in den Schraubstock, um dann mit dem Ziehmesser die Form weiter zu verfeinern. Wer will kann auch mit einer Band- oder Stichsäge dem Holz zu Leibe rücken, so etwas kommt bei mir aber nicht in die Tüte, da ich ein Freund des alten Handwerks bin und beim Schnitzen auf derlei „Teufelszeug“ gern verzichte.

IMG_5478 Nachdem die groben Umrisse und Konturen stehen, geht es mit dem Schnitzmesser daran, diese weiter zu verfeinern. Auch die Löffelmulde kann jetzt mit einem Löffelmesser auf die gewünschte Tiefe und Größe gebracht werden. So geben wir nach und nach dem Löffel seine endgültige Form. Solltet Ihr „grünes“ Holz verwendet haben, ist jetzt der Moment gekommen dem Löffel einen Tag oder mehr Zeit zum trocknen zu geben. Das erleichtert uns die nun anstehenden Schritte.

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Noch eines am Rande, zum vernünftigem Arbeiten sind gute und vor allem scharfe Werkzeuge ein unbedingtes muss, je schärfer desto besser. Wie ich mein Werkzeug schärfe erfahrt Ihr in einem anderem Beitrag. Nach dem Trocknen kann noch die ein oder andere Stelle nacharbeiten werden, sobald alles zufriedenstellend erledigt ist, können wir mit dem Feintuning beginnen, sprich dem schmirgeln und schleifen. Ich verwende am Anfang ein grobes Schleifpapier, meist mit 60er oder 80er Körnung, dann gehen wir immer weiter mit den Körnungen nach oben, 100er oder 120er, zum Finish 240 und feiner. Möchte man den Griff oder andere Teile des Löffel noch mit Schmuckschnitzereien versehen, ist jetzt der beste Zeitpunkt dafür, anschließend wird noch einmal vorsichtig nachgeschliffen. Sollten wir das alles fertig haben, kommen wir zum schönsten Moment, der Geburt eines Löffels sozusagen.

IMG_5488 Denn mit dem Auftragen von Öl oder Wachs beginnt jetzt die Schönheit des Holzes, sein Feuer, zu erscheinen und belohnt uns für die vergangenen Mühen! Für „echte“ Speiselöffel eignen sich zur Behandlung besonders Leinöl oder Hartwachs-Öl, welches lebensmittelecht sein sollte. Davon tragen wir eine dünne Schicht auf und wischen anschließend den Löffel von überschüssigen Material mit einem fusselfreiem Tuch sauber. Nachdem die erste Schicht getrocknet ist, versehen wir den Löffel mit einer weiteren Schicht, bei Bedarf auch noch mit einer weiteren. Das kann von Holzart zu Holzart variieren, das Holz sollte jetzt eine schöne und gleichmäßige Oberfläche haben.

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Für sehr glatte Oberflächen verwenden wir am besten das Hartwachs-Öl, dieses lässt sich im Anschluss auch schön polieren. Bei entsprechender Pflege können derart behandelte Löffel über viele Jahre Freude machen. Aber…  Aufpassen…!  So ein schönes Stück hat in Geschirrspülmaschinen nichts verloren, es sei denn man braucht noch etwas zusätzliches Feuerholz.

Löffel aus dem Holz des Sadebaums;spoon made from savin Ich hoffe ich konnte euch ein wenig für das Schnitzen von Löffeln begeistern oder inspirieren, versucht es doch selbst einmal, Ihr werdet sehen, Löffel können glücklich machen oder sind sie der Beginn eines Spleens?

tina 113 Über Kommentare oder noch besser Links oder Bilder eurer eigenen Arbeiten würde ich mich sehr freuen!

Schnitzwerkzeuge; Carving Tools Bis dahin, alles Liebe! Euer Holzwurm Andy

    1. Hallo Moni,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich bin überzeugt das Du das toll hinbekommen würdest, versuche es doch einfach mal. Die ganze Sache hat zudem auch was meditatives, birgt allerdings Suchtgefahr. 😉

      Liebe Grüße
      Andy

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